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8 Orte zum Gruseln, die es in sich haben

Spooky Spots // von Juliane Pröll

„Kommt her ihr Leut' und lasst euch sagen, gar Schreckliches hat sich zugetragen…“ Vom mittelalterlichen Foltergefängnis über den Galgenhof bis zum Pestfriedhof – die alte Reichsstadt Nürnberg wartet mit schaurig-schönen Plätzen auf.

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Friedhof St. Johannis

Erhabene Stätte der Ruhe

Ein lebender Totenschädel? Den Grabstein des 1679 verstorbenen Andreas Georg Paumgartner ziert ein lebensgroßer Totenkopf, dessen Unterkiefer mit einem Scharnier versehen ist. Der Schädel weist an der Schläfe ein Loch auf. Dies befeuerte die Legende von der Ermordung des Patriziers durch seine Ehefrau, die angeblich einen anderen Mann liebte. Sie soll ihren Angetrauten einen Nagel in den Schädel geschlagen haben. Jahrzehnte später öffneten der Sage nach Totengräber die Familiengruft. Ihnen stockte der Atem: Der Unterkiefer von Paumgartners Schädel bewegte sich, weil unzählige Würmer eine erbarmungslose Mahlzeit feierten. Die Totengräber fanden einen langen Nagel im Schädel und deckten so den Mord auf. Das Grab befindet sich zehn Meter links (östlich) des Chors der Johanniskirche.

Henkerhaus

Zum Henker noch mal!

Auch wenn es eines der romantischen Fotomotive Nürnbergs ist – das Henkerhaus birgt eine grausige Geschichte. In diesem Haus, auf der kleinen Insel in der Pegnitz, abgeschnitten von den Häusern „ehrbarer“ Bürger, wohnte der Scharfrichter der Stadt Nürnberg. Der Beruf galt im Mittelalter als unehrlich, die Henker wurden als Bürger zweiter Klasse angesehen, waren geächtet und durften weder in der Stadt wohnen, noch das normale Leben mit den Menschen teilen. Sogar in der Kirche und im Wirtshaus mussten sie gesondert sitzen. Der berühmteste Nürnberger Scharfrichter war Franz Schmidt. Er lebte im ausgehenden Spätmittelalter und war bekannt für seine gute Arbeit: er konnte die Verurteilten mit nur einem Hieb köpfen. Doch er schickte die Todeskandidaten nicht nur mit dem Schwert über den Jordan. Hängen, rädern, verbrennen oder ertränken waren weitere Exekutionsarten, die er vollzog. Heute ist das Henkerhaus ein Museum, das besichtigt werden kann und über die Arbeit, die Strafen und die Lebensweise des Scharfrichters informiert.

Lochgefängnisse

Im Keller des Nürnberger Rathauses ging es früher grausam zu. Die noch heute vorhandenen Gefängniszellen sind winzige dunkle Löcher. Die Häftlinge mussten viele Tage in den Zellen in völliger Dunkelheit ausharren, bis ein Urteil gefällt wurde. In der ironischerweise „Kapelle“ genannten Folterkammer sind alte Foltergeräte ausgestellt. Mit Halsringen, Daumenschrauben und einer Streckleiter peinigte der Scharfrichter die Delinquenten so lange, bis sie gestanden, was die Obrigkeit hören wollte.

Der Mittagsmörder

Schüsse in der Breiten Gasse, panische Passanten, blutüberströmte Opfer und ein Täter auf der Flucht: In den 1960er Jahren trieb ein Raubmörder in Nürnberg und Umgebung sein Unwesen. Seine Überfälle ereigneten sich, während der Mittagszeit weshalb er den Namen „Mittagsmörder“ verpasst bekam. Seinen letzten Coup verübte er am 1. Juni 1965 im Kaufhaus Brenninkmeyer, das heutige C&A-Geschäft am Weißen Turm. Er versuchte, einer Kundin die Handtasche zu klauen. Mehrere Passanten verfolgten ihn. Auf der Flucht tötete er den Hausmeister des Kaufhauses, schoss in der Breiten Gasse um sich und verletzte zwei Männer schwer, bevor ihn die Polizei dingfest machen konnte. Ein Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft wegen fünffachem Mord und schwerem Raub. Erst nach 50 Jahren Haft wurde Klaus G. im Jahr 2015 entlassen.

Rochus-Friedhof

Leichenberge, eiternde Wunden, Pestärzte mit Vogelmasken – der Friedhof entstand während der Pestepidemie im Jahr 1517. Die Gräber sind noch heute stumme Zeugen der damaligen Tragödien. Damit Hunde die Pestleichen nicht wieder ausgruben und aus den Gräbern zerrten, wurden sie mit den inzwischen berühmten Liegegrabplatten abgedeckt. Doch nicht nur die Pest forderte Opfer, auch eine hohe Kindersterblichkeit füllte den Knochenacker: Im Jahre 1570 raffte eine Pockenepidemie circa 1.600 Kinder in der Stadt dahin. Seinen Namen hat der Friedhof vom Pestschutzheiligen Rochus. Auch prägte der Friedhof die Nürnberger Redensart „ … sonst holt dich der Rochus“. Einen Friedhofsspuk konnte die Polizei aufklären: Diebe, die die wertvollen Epitaphien, historische bronzene Grabtafeln mit individuellen biografischen Botschaften von den Gräbern stahlen, wurden dingfest gemacht.

Gasthof zum Schwarzen Bären

Der Schwarze Bär stand einst in der Weißgerbergasse. In dem Wirtshaus befand sich der Legende nach eine versperrte Kammer unter dem Dach. Als eine Magd beim Frühjahrsputz aus Neugier die Kammer öffnete, befreite sie einen Poltergeist. Der Geist trank das Bier aus den Gläsern der Gäste, warf sie Nachts aus dem Bett und erschreckte die Pferde im Stall. Die Gäste blieben aus, das ruinierte den Wirt. Schließlich wurde das Gasthaus abgerissen und geriet in Vergessenheit. Aber wer weiß, vielleicht spukt der Poltergeist ja immer noch in den Bars und Läden der Gasse ...

Galgenhof

Dass man mit Kriminellen im Mittelalter nicht zimperlich umging, daran erinnert noch heute der Stadtteil Galgenhof. Die Hinrichtungsstätte stand von 1441 bis 1809 auf einem Hügel in der südlichen Vorstadt – gleich hinterm Bahntunnel an der Allersberger Straße. Wo früher Mörder und Totschläger ihr Leben ließen, steht heute ein modernes Studentenwohnheim. 2018 wurden bei Bauarbeiten in der Flaschenhofstraße fünf Skelette ausgegraben. Ein Verbrechen? Die Kripo ermittelte und übergab die Knochen dem Stadtarchäologen. Der stellte fest, dass die Gebeine mehr als 200 Jahre alt waren. Angehörige hatten die Toten bei Nacht und Nebel vom Galgen genommen und heimlich in der Marienvorstadt begraben, wo sie jüngst zum Vorschein kamen. Der Jüngste der Gehängten war zum Zeitpunkt der Hinrichtung erst 16 Jahre alt gewesen.

Heilig-Geist-Spital

Heimat des Goldenen Trunks

„Die närrsch' Gusterti“ geht um! In den Sälen und Gängen des Spitals spukt angeblich der Geist der ersten Köchin – die „närrsch' Gusterti“. Geizig soll sie gewesen sein. Außerdem schimpfte und maulte sie die ganze Zeit. Um die Speisen aus den Kesseln in die Teller der Kranken zu schöpfen, bekam sie einen Löffel. Sie schnitzte sich aber heimlich einen kleineren Löffel und gab den Leuten weniger zu Essen. Als der Betrug aufflog, sprang die Gusterti aus dem Fenster in die Pegnitz. Seitdem geht ihr Geist um und schreit: „Nehmt in groußn Löffl und loußt in klan liegn!“