Renaissancegarten Tucherschloss

Renaissancegarten | Picknick | Kultur

  • Tipp
    Irgendwie hat Lienhard es offensichtlich schon geahnt – das Sinken seines Sterns. Wer das Deckengemälde im Hirsvogelsaal betrachtet, entdeckt den Sturz des Phaeton. Mit dem in Einzelteile zerborstenen Sonnenwagen hat Georg Pencz, ein Schüler Albrecht Dürers, den dramatischsten Augenblick des Szenarios mit Pinsel und Farbe festgehalten. Der übermütige Göttersohn hatte es einfach übertrieben mit Vater Helios‘ Feuerpferden. Top-speed am Firmament rumrasen – das konnte nicht lange gut gehen.

Grüne Oase, große Gefühle

Seit wann verliebt man sich eigentlich in einen Garten? Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, könnte man hier sagen. Denn damals legte sich die Patrizierfamilie Tucher ihr privates Refugium an: für Feste, für Nähe, fernab der engen Altstadtgassen. Seine heutige Gestalt bekam der Garten erst zum Stadtjubiläum 2000, entworfen vom Nürnberger Landschaftsarchitekten Bernard Lorenz: streng nach den Prinzipien der Renaissance, mit Brunnen, Wiesenparterres und einer Mischung aus Zier- und Nutzpflanzen. 2004 wurde der Garten mit dem Architekturpreis der Stadt Nürnberg gekrönt. Unter dem Doppelbogentor im Schlosshof stehen seit 2018 zwei Figuren des Künstlers Stefan Schindler: „Melek I" und „Melek II" – zwei Gestalten, die den Blick eher einfangen als erwidern, aber genau deshalb hängen bleiben.

Direkt am Brunnen wartet noch eine zweite Liebesgeschichte, eine, die bekanntlich schiefging: „Narziss", eine Holzskulptur des Künstlers Andreas Kuhnlein, entstanden 2008 mit der Kettensäge und ganz ohne Vorzeichnung. Wer genau hinschaut, entdeckt ein überraschend fein herausgearbeitetes Gesicht, versunken im eigenen Spiegelbild. Der Mythos ist bekannt: Narziss verliebte sich in niemand anderen als sich selbst, bis er im Wasser versank. Am Brunnen des Schlossgartens bekommt die alte Warnung einen neuen Rahmen. Zum Glück bleibt's hier beim Picknick. Das Wasser reicht höchstens für kalte Füße.

Wie das mit dem Picknick funktioniert, ist denkbar einfach: Decke einpacken, Proviant selbst mitbringen. Ein Museumscafé gibt's hier fei nicht, aber dafür Bäckereien und Cafés gleich um die Ecke in der Hirschelgasse. Wer keine Decke dabei hat, findet während der Saison Gartenmöbel vor. Und für alle mit Lust auf Bewegung: Boule-Kugeln lassen sich direkt vor Ort ausleihen. Sogar das SommerNachtsFilmFestival macht hier regelmäßig Halt. Gebaut für Feste – geblieben ist die Liebe. (MSL)

Vom 7. April bis 30. September öffnet der Garten jeweils dienstags und mittwochs von 10 bis 19 Uhr kostenlos für alle. Das Museum und der Hirsvogelsaal sind an diesen Tagen geschlossen.

Also nochmal: Dienstags und mittwochs, 10 bis 19 Uhr, ist der Eintritt in den Garten frei.
Alle Infos zum Picknick gibt's hier: museen.nuernberg.de/tucherschloss/angebote/picknick-im-schlossgarten

  • Tipp

    Irgendwie hat Lienhard es offensichtlich schon geahnt – das Sinken seines Sterns. Wer das Deckengemälde im Hirsvogelsaal betrachtet, entdeckt den Sturz des Phaeton. Mit dem in Einzelteile zerborstenen Sonnenwagen hat Georg Pencz, ein Schüler Albrecht Dürers, den dramatischsten Augenblick des Szenarios mit Pinsel und Farbe festgehalten. Der übermütige Göttersohn hatte es einfach übertrieben mit Vater Helios‘ Feuerpferden. Top-speed am Firmament rumrasen – das konnte nicht lange gut gehen.

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Renaissancegarten Tucherschloss
Treibberg 4
90403 Nürnberg
Entfernung: –km
  • Öffnungszeiten

    Dienstags und mittwochs, 10 bis 19 Uhr, ist der Eintritt in den Garten frei.

    Öffnungszeiten siehe Museum